Da brannte die Luft

Der Fanfarenzug leitete die Jahreshauptversammlung der Hohen Neuendorfer Freiwilligen Feuerwehren am Freitag mit fröhlicher Begrüßung ein . Aber es folgte kein gemütlicher Abend. Feuerwehrleute und Bürgermeister kritisierten sich gegenseitig heftig.

In der Stadthalle hat am Freitagabend die Luft gebrannt. Es gab Buh-Rufe und tumultartige Szenen. Ein gerade beförderter Kamerad aus Borgsdorf warf seine neuen Schulterstücke auf den Tisch und erklärte, vom Bürgermeister nicht befördert werden zu wollen. Im Foyer bot jemand dem Bürgermeister Prügel an.

Zwar hatte Bürgermeister Klaus-Dieter Hartung (Die Linke) seine Rede mit Lob und Dank für Einsatzbereitschaft begonnen. Doch er wollte nach eigenen Worten auch "Klartext" reden. Seine Rede nahmen ihm viele Feuerwehrleute übel.

Als einen Abend "mit großen Gesten und harten Worten" bezeichnete der Stadtverordnete Matthias Schwanke (Stadtverein) das Geschehen. Die Motivation der Kameraden mache sich wesentlich an der Technik fest, so sein Eindruck. Aber immerhin sei der Ärger nun ausgesprochen, so Schwanke.

Jede Menge Applaus bekam der Stadtverordnete Michael Heider (CDU) für seine Äußerung "Ich habe das Gefühl, der Bürgermeister denkt über die Feuerwehr, dass es eine lustige Truppe ist, die in schönen roten Autos gerne mit Blaulicht durch die Gegend fährt." Er sei erschüttert über das mangelnde Verständnis für die Feuerwehrleute, sagte Heider später.

Ein Dreh- und Angelpunkt des Streits war das Drehleiterfahrzeug. Es steht als wünschenswert im Gefahrenabwehrbedarfsplan, in der Stadtverordnetenversammlung hat die Anschaffung der Drehleiter aber keine Mehrheit erhalten. Für so vordringlich hält sie Hartung auch nicht: "Es hat sich ein Missverständnis eingeschlichen, nämlich, dass sich die Anerkennung Ihrer Leistung in der Bereitstellung prestigeträchtiger Technik ausdrücken sollte beziehungsweise im Umkehrschluss, dass Ihre Arbeit nicht angemessen gewürdigt wird, wenn das Drehleiterfahrzeug nicht kommt", so Hartung.

Das kam bei den gut hundert Feuerwehrleuten im Publikum nicht gut an. Ebensowenig Hartungs Lob auf die Nachbarfeuerwehren: "Hätte jemals in Hohen Neuendorf ein Menschenleben gerettet werden können, wenn wir ein eigenes - ich betone: eigenes - Drehleiterfahrzeug besessen hätten? Die mir zugänglichen Statistiken geben das nicht her. Es gibt keine Veränderung in der Bebauung in Hohen Neuendorf, die das Vorhalten eines solchen Fahrzeugs für uns unabweisbar erforderlich macht. Im Notfall sind die Nachbarwehren immer rechtzeitig genug vor Ort."

Stadtbrandmeister Norbert Nickel hatte in seiner Rede erklärt, "mehr Einsatzpersonal, bessere Ausbildung und hohe Motivation allein genügen auf Dauer nicht, um Einsatzaufgaben zu erfüllen. Moderne, dem Stand der Technik entsprechende Einsatztechnik ist notwendig."

Die Gebäudesitutation in Hohen Neuendorf sei sehr wohl eine andere als vor Jahren, sagte am Sonntag Borgsdorfs Zugführer André Weil zum Thema Drehleiter. "Es geht aber gar nicht so sehr um die Anschaffungen. Die Kameraden fordern, dass ihre Arbeit respektiert wird", erklärte er. "Wir versuchen seit einem Jahr, mit der Stadtverwaltung den Bedarfsplan zu machen, aber der Bürgermeister ignoriert das." Auch von den für den Brandschutz zuständigen Mitarbeitern Alexander Härtel und Wolfgang Narewski bekämen die Feuerwehrleute keine konkreten Antworten. Im Stadtteil Borgsdorf fehle beispielsweise immer noch ein zweites Löschfahrzeug, so Weil. "Wir könnten ja alle von einem auf den anderen Tag sagen, dass wir keine Lust mehr haben, uns das weiter anzutun", sagte er provozierend. Die Gespräche müssten von vorne anfangen. "Wenn diese Sitzung uns etwas gebracht hat, dann das, dass die Löschzüge alle unzufrieden sind und dass wir an einem Strang ziehen", ist André Weil überzeugt. Übrigens seien nicht nur einige Kameraden aus der Rolle gefallen, sondern auch der Bürgermeister, der offfenbar "lieber mit seinem Handy gespielt" habe als zuzuhören, so der Zugführer.

"So eine Jahreshauptversammlung habe ich in all den Jahren nie erlebt, und das brauche ich auch nicht wieder", meinte am Sonntag auch Bergfeldes Zugführer Mario Briese, der 1997 von der Jugendwehr zu den aktiven Kameraden wechselte. Er kann den Frust der Kameraden nachvollziehen. "Wir stoßen bei der Verwaltung auf taube Ohren, unsere Meinung wird nicht gehört", ist sein Eindruck. Er nennt ein Beispiel: Die von der Verwaltung neu angeschafften Helme entsprachen nicht den Wünschen der Kameraden. "Da sollte der Stadtwehrführer entscheiden."

Diese Helme seien das Ergebnis einer Ausschreibung, und sie seien gut, hält Hartung dagegen, Wolfgang Narewski zudem ein Mann mit 40-jähriger Feuerwehr-Erfahrung. Hartung hat die Wehrführung zum Gespräch eingeladen. "Wen der Stadtbrandmeister dann mitbringt, soll er entscheiden."

Die Probleme zwischen Verwaltung und Feuerwehr hätten sich übers Jahr aufgestaut, sagte der stellvertretende Wehrführer Robert Röhl am Sonntag. "Wir sprechen einfach zu wenig miteinander", findet er. Die Kritik an ihrer Arbeit nähmen die Feuerwehrleute ernst. "Aber wir erwarten auch, dass wir beim Bürgermeister gehört werden."

Quelle: http://www.die-mark-online.de
25.02.2013