Einsatz für die Liebe

Durch den Schlauchgang zum Glück

Als rot blitzende Feuerwehren am Sonnabend vor dem Oranienburger Schloss Halt machen, um sich dann in Reihe aufzustellen, wird für die Passanten schnell klar, dass es sich hier wohl nicht um einen Notfalleinsatz handelt. Weiße Tüllfähnchen sind an den Fahrzeugen befestigt. Die Feuerwehren Borgsdorf, Bergfelde, Birkenwerder und Hohen Neuendorf sind am Sonnabend in Sachen Liebe nach Oranienburg gekommen.

 

Während sich Borgsdorfs Löschzugführer André Weil und die Bergfelder Feuerwehrfrau Madeleine Schreiber im Schloss das Ja-Wort geben, wird vor dem Tor rotiert und organisiert. "Das gehört dazu. Wenn einer von uns heiratet, sind wir zur Stelle. Dass es gleich zwei sind, ist natürlich schon extrem", erklärt Burkhard Fromm, der mit der Oldtimerfeuerwehr gekommen ist. Das Feuerwehrspektakel erwarte das Brautpaar eigentlich. Geplant werde dann aber trotzdem heimlich. "Es soll Überraschung bleiben, und bei so einer Sache können wir den Mund auch halten", meint der stellvertretende Löschzugführer der Borgsdorfer Feuerwehr, Jens Fiebelkorn. Der Fanfarenzug Hohen Neuendorf hat Aufstellung genommen. Ein Schlauch wird mit Wasser gefüllt und in Rundbögen von den Kameraden gehalten.

Man habe es ja eigentlich schon kommen sehen, dass aus den beiden ein Paar werden könnte, meint Börge Wietzoreck aus Borgsdorf. "Die passen gut zusammen. Sie sind beide durchgeknallt und haben Humor ohne Ende, immer einen flinken Spruch auf der Lippe". Zwischen dem einstigen Jugendwart André und der damaligen Jugendwartin Madeleine habe es schon immer die gewisse Chemie gegeben. Während der Jugendfahrt nach Mildenberg vor fünf Jahren seien sie dann zusammengekommen, erzählt Fiebelkorn. Eine Weile hätten die beiden noch versucht, ihre Verbindung geheim zu halten. "Aber da wusste doch sowieso schon jeder, was Sache ist", sagt Börge Wietzoreck. Gewundert habe sich jedenfalls keiner mehr, als sie ihre Beziehung öffentlich machten.

Da öffnet sich die Schlosstür. "Geschenketräger nach hinten!", lautet die Aufforderung. Der Fanfarenzug spielt: "Hoch sollen sie leben". Ehrfürchtig tritt das Brautpaar durch die Wasserschlauchbögen, am Spalier der Kameraden vorbei. Am Ende gratuliert Stadtbrandmeister Norbert Nickel als erster. "Es ist besser, als wir es uns vorgestellt haben", sagt die Braut, die nun Madeleine Weil heißt. "Ist es nicht schön, dieses Paar?", schwärmt die Brautoma Ingrid Schulz mit Tränen in den Augen. Die beiden seien von Anfang an eine Herz und eine Seele gewesen. "André kam und siegte", erklärt Ingrid Schulz. Die Feuerwehr habe im Leben der Familie schon immer eine große Rolle gespielt. Der Opa der Braut habe 50 Jahre seines Lebens mit der Feuerwehr verbracht.

Es dauert lange, bis das Brautpaar alle Gratulationen empfangen hat. Dann steigen die Frischvermählten in den Oldtimer und werden im Konvoi der roten Einsatzfahrzeuge zur Borgsdorfer Wache gebracht. Dort warten noch einige Aufgaben auf das Feuerwehrtraumpaar. "Für die Ehe brauchen die beiden schließlich auch ein wenig Puste. Und wenn wir uns etwas wünschen sollten für die beiden, ist es neben der glücklichen Ehe auch Feuerwehrnachwuchs ohne Ende", so Fiebelkorn.

(MOZ)

Quelle: http://www.moz.de
21.07.2013